Foto: www.modellprojekt-demos.de
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Wohn- und Esszimmer der Hausgemeinschaft für demente Bewohner in Eichenau
Wohn- und Esszimmer der Hausgemeinschaft für demente Bewohner in Eichenau

Der Anteil von Menschen mit Demenz in Altenpflegeheimen liegt heute bei über 60 Prozent, Tendenz steigend. Im Hinblick auf die Bedürfnisse dieser wachsenden Nutzergruppe müssen die Bauherren traditionelle Konzepte für den Pflegeheimbau überdenken und dem Kenntnisstand aus der Demenzforschung anpassen. Es gilt, bauliche Lösungen für die Umsetzung innovativer Wohn- und Betreuungskonzepte für Menschen mit Demenz zu entwickeln. Eine an Demenz angepasste Umgebung sollte kognitive Defizite kompensieren und deren Folgen entgegenwirken, so dass Bewohner nicht überfordert werden, sondern sich als kompetent und selbständig erleben und emotional geborgen fühlen.

Die BG Immobiliengruppe hat sich als spezialisierter Projektentwickler und Investor für Seniorenimmobilien seit jeher mit dem Thema intensiv beschäftigt und bemüht sich mithilfe einer engen Zusammenarbeit mit dem Demenz Support Stuttgart sowie als Mitglied des Forschungsprojekts Pflege 2020 des Fraunhofer Instituts neuste Erkenntnisse aus der Demenzforschung baulich umzusetzen.

Architektur, die aufgrund von neurowissenschaftlichen Erkenntnissen geplant wird, beeinflusst Menschen mit Demenz positiv. Diese Erkenntnis ist wissenschaftlich gesichert und liefert Architekten und Bauträgern eine Menge Möglichkeiten, das Wissen aus der Neurowissenschaft baulich umzusetzen. Konkret können Planer durch eine auf die Nutzerbedürfnisse eingehende Gestaltung der Umwelt Menschen mit Demenz nicht nur positiv beeinflussen – die Umgebung kann sogar behandelnd wirken. Prof. John Zeisel, Soziologe, Architekt und weltweit anerkannter Experte für die Gestaltung von Lebensumwelten für Menschen mit Demenz aus den USA betonte in seinem Vortrag beim 5. Gradmann Kolloquium am 20.11.2009 in Stuttgart, dass es sich bei der Gestaltung von Umgebung um eine favorisierte Form der Behandlung von Menschen mit Demenzen handelt als die übliche Behandlung mit Medikamenten. Die Erklärung hierzu ergibt sich aus der Art der Verletzungen des Gehirns bei Menschen mit Demenz. Das Sprachzentrum sowie die Impulskontrolle sind verletzt, der Zugang zu den Erinnerungen ist gestört. Die richtige Umgebungsgestaltung kann in den Menschen ihre Erinnerungen wecken, kann ihnen ein Stück eigenes Leben zurückgeben und sie kann damit Apathie und Aggressionen behandeln.

Als Beispiel seien hier die sogenannten Weglauftendenzen bei Menschen mit Demenz genannt, die eine häufige Erscheinung bei Bewohnern sind, die gerade erst in die Einrichtung aufgenommen wurden. Diesen kann man baulich eine getarnte Ausgangstür entgegensetzten, beispielsweise eine weiße Tür auf weißer Wand. Die Botschaft dieser Tür ist: „Ich bin unwichtig“, oder anders gesagt, die Tür löst keinen Impuls aus, durch sie durchgehen zu wollen.

Insgesamt geht es sowohl von betrieblicher als auch von der baulichen Seite darum, den Bewohnern Alltagsleben zu ermöglichen. Dies kann durch eine gemütliche Wohnküche anstelle einer klinischen Einbauküchenzeile geschehen. Oder durch einen eingebauten Kachelofen mit gemütlicher Sitzbank, wie man sie früher häufig in der Wohnküche hatte. Im Außenbereich kann das durch einen leicht zugänglichen Garten sichergestellt sein, indem es einen Schöpfbrunnen zum Blumen gießen gibt sowie verschiedene Bereiche zum Verweilen und Angebote zum sich Betätigen bei der Gartenarbeit.

Grundriss der Demenzstation im Seniorenzentrum Wolfratshausen
Grundriss der Demenzstation im Seniorenzentrum Wolfratshausen

Ein Praxisbeispiel (2010)

Die BG Immobiliengruppe bemüht sich darum, möglichst viele dieser Erkenntnisse aus der Gehirnforschung in die Umgebungsgestaltung ihrer Wohngruppen für Bewohner mit Demenz umzusetzen. Ein aktuelles Beispiel für die bauliche Umsetzung einer Wohngruppe für Bewohner mit Demenz befindet sich in einem von der BG errichteten und seit 2007 im Betrieb befindlichen Seniorenzentrum in Wolfratshausen bei München, das um eine beschützte Demenzstation erweitert worden ist.

Das bauliche Konzept besticht durch einen intelligenten Grundriss, der sich durch eine exzellente Aufteilung und Anordnung privater, semi-privater und öffentlicher Flächen auszeichnet. Die Architektur bietet den gelungenen Rahmen für die Ausgestaltung eines wohnlichen, an der Häuslichkeit und Individualität der Bewohner orientierten Milieus.

Große Bewegungsflächen im Mittelpunkt der Wohngruppe geben dem Betreiber ausreichend Spielräume für individuelle Millieugestaltung. Die wie ein Marktplatz anmutende Fläche in der Mitte von den rechts und links sich befindlichen Zimmern bietet eine außergewöhnlich große Bewegungsfläche von rund 150 qm² für die Bewohner. Die Pflegeinsel (Schwesternstützpunkt) in der Mitte des Marktplatzes ist offen und transparent gestaltet, so dass die Sichtbeziehungen zwischen Pflegepersonal und Bewohnern in allen öffentlichen Bereichen der Station optimal gewährleistet sind, was die Beziehungen zwischen Personal und Bewohnern positiv beeinflusst. An verschiedenen Punkten rund um die Insel bieten sich beschützte Sitzgelegenheiten, von wo aus das Leben in der Wohngruppe zu beobachten ist.

Eckpunkte der Demenzstation

  • Beschützte Wohngruppe mit 13 Bewohnern
  • 3 Einzelzimmer à 20 qm² + 6 Einzelzimmer mit gemeinsamen Vorflur und gemeinsam genutztem Bad
  • 2 Doppelzimmer à 31 qm²
  • Außergewöhnlich großzügige Gemeinschaftsflächen: 1 Wohn – und Esszimmer + angrenzender Wintergarten mit Austritt in den eigenen Garten mit großer Terrasse
  • Wohlfühlbad mit besonderen visuellen Reizen und einer Wellness-Badewanne mit Luftperlbad und Unterwasserbeleuchtung
  • Auf Bewohner mit Demenz abgestimmtes Lichtsystem, dass je nach Tageszeit farblich und die Lichtstärke betreffend variiert, um den Bewohnern den Tag – Nacht Rhythmus zu erleichtern.
Einweihungsfeier für den Gerontogarten im Seniorenstift Germering
Einweihungsfeier für den Gerontogarten im Seniorenstift Germering

Der Gerontogarten

Die Einbeziehung der Natur in ein Gebäude ist ein wesentliches Stück Lebensqualität für Menschen mit Demenz. So gehört es für die BG Immobiliengruppe schon von jeher zum Konzept, einen in sich geschlossenen Garten anzulegen, der ausschließlich von der Demenzstation zugänglich ist und in dem sich die Bewohner frei bewegen können. Wichtig ist baulich gesehen auch, dass der Garten von Innen für die Bewohner sichtbar ist und damit den Anreiz bietet, in die Natur zu gehen. Dies ist durch die voll verglasten Flächen des Wintergartens in optimaler Weise realisiert worden. Ein weiterer großer Vorteil eines Gartens mit direktem Sichtkontakt für die Bewohner ist die notwendige Orientierung an Tages- und Jahreszeiten.

Der Garten selbst verfügt über eine großzügige Terrasse, die für Feste aller Art mit Angehörigen bestens geeignet ist. Die Grünflächen sind nach speziell gerontologischen Erkenntnissen angelegt worden. Mit diesem Konzept hat die BG Immobiliengruppe in ihren Einrichtungen sehr gute Erfahrungen gemacht: Der therapeutische Wert eines „Gerontogartens“ für die Bewohner ist signifikant, der Unruhe- und Aggressionspegel, der in vielen Demenzstationen vorherrscht, wird deutlich minimiert.

Snoezelenraum im Seniorenzentrum Bessenbach
Snoezelenraum im Seniorenzentrum Bessenbach

Der Snoezelenraum

„Snoezelen ist eine ausgewogen gestaltete Räumlichkeit, in der durch harmonisch aufeinander abgestimmte multisensorische Reize Wohlbefinden und Selbstregulationsprozesse bei den Anwesenden ausgelöst werden“, so lautet die Definition der Deutschen Snoezelen Stiftung.

Das aus den Niederlanden stammende Konzept des Snoezelen wurde Ende der 70er Jahre entwickelt, um Menschen mit sensorischen Störungen und schwersten Behinderungen Erholungsmöglichkeiten zu bieten.

Das Kunstwort Snoezelen setzt sich aus den beiden niederländischen Verben „snuffelen“ und „doezelen“ zusammen. „Snuffelen“ steht für das Prinzip der freien Entscheidung und „doezelen“ für Zuwendung und Geborgenheit. Das ursprünglich für schwerstbehinderte Menschen entstandene Konzept wurde in den letzten Jahren auf vielschichtige Adressatenkreise ausgedehnt.

Die BG Immobiliengruppe hat bereits mehrere Snoezelenräume in ihren Senioreneinrichtungen realisiert, u. a. im Seniorenzentrum Bessenbach. Insbesondere für Bewohner mit Demenz bergen sie einen hohen Mehrwert an Lebensqualität. So soll der Snoezelenraum von den Bewohnern als “Insel der Ruhe” oder “Raum der Sinne” genutzt werden.

Je nach Gemütslage erfahren die Bewohner multisensorische Reizeinwirkung, Anregung der Sinne, gezielte Förderung, strukturierte Therapie, pädagogische Intervention. Dieses Angebot ist eine Hilfestellung beim Umgang mit Angst, Unsicherheit und Stress, Symptome, unter denen Menschen mit Demenz häufig stark leiden.

Die vielfältigen, positiven Wirkungsweisen des Snoezelens werden laut Deutscher Snoezelen Stiftung immer wieder durch Beobachtungen, Erfahrungsberichte und einige Untersuchungen bestätigt.